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Stricken als Therapie

Im Rahmen meiner Behandlung empfehle ich meinen Patient/inn/en ein kreatives Projekt zu starten, im Rahmen eines Achtsamkeitstrainings

Ein Feedback einer Patientin:

Im vergangenen Winter stand ich kurz vor einem Burnout. Die beruflichen und privaten Belastungen gingen weit über das hinaus, was ich bewältigen konnte. Eine liebe Freundin schenkte mir keine guten Ratschläge, sondern ein Knäuel Wolle und eine Rund-Stricknadel. Die Erinnerung daran, wie man strickt, war sofort wieder präsent.

Noch am selben Abend saß ich selbstvergessen auf der Couch und nadelte einfach drauflos.

Die warme weiche Wolle schmeichelte meiner geschundenen Seele und vermittelte mir ein Gefühl von tiefer Geborgenheit. Der Kopf wurde leer – das Gedankenkarussel nahm an Fahrt ab. Ich strickte täglich mehrere Stunden und von Tag zu Tag ging es mir langsam besser. Ich kam zur Ruhe. Die vielen Puzzleteile meines inneren Chaos setzten sich langsam aber stetig zu einem geordneten und überschaubaren Ganzen zusammen. Ich lernte, mit den Anforderungen meines Alltags zu leben, sie in diesen zu integrieren. Ich lernte, mich selbst und meine Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen. Ich wurde gesund. (Ute)

Als ich beim Stricken durch die Tränen hindurch wieder die Maschen erkennen konnte,

kam ich langsam wieder zu mir zurück.

In Stresssituationen schüttet unser Körper Stresshormone aus und diese wirken auch auf neuronalem Weg.

Unsere Reaktionen darauf beruhen auf der Menge von Stresshormonen, die ausgeschüttet werden und wie wir damit umgehen.

Obwohl ich in den letzten Monaten relativ gut mit meinen finanziellen Sorgen und deren Aussichten umgehen konnte, war ich an diesem einen Tag überwältigt worden. Ich konnte es nicht mehr kontrollieren und bekam eine Panikattacke.

Indem man etwas Repetitives und Rhythmisches, wie Yoga, Tai Chi

oder eben auch Stricken durchführt, erreicht man eine Beruhigung, welche die Stresshormone neutralisiert. Entspannung ist das Gegenprinzip zum Stress.  Sie senkt den Blutdruck, gibt Energie frei, verbessert das Blut-Zucker-Management und verlangsamt sogar den Alterungsprozess.

(Denke auch an die Wirkung des Vagus, wie sie Gregor Hasler Professor für Molekulare Psychiatrie, sehr anschaulich in deinem Buch “Die Darm-Hirn-Connection” erklärt- ISBN 978-3-608-98384-5?)

Darüber hinaus ist Stricken, genau wie Yoga noch soviel mehr als nur Entspannung.

Die Wissenschaft hat nachgewiesen (siehe z.B. Studie der Mayo-Klinik),

dass Stricken als zweihändige Tätigkeit, die zu einer überkreuzten koordinierten Gehirn-Körper Zusammenarbeit führt, beide Hirnhälften beansprucht, sodass diese zusammen arbeiten müssen.

Sie müssen jetzt Informationen effektiv austauschen.

Auch Tai-Chi ist noch so ein Beispiel für eine Cross-Over Koordination. Kinder, die Problem mit der Raumwahrnehmung und Koordination haben werden dazu angeleitet Tai Chi zu praktizieren.

Dadurch, dass Stricken repetitiv, rhythmisch und automatisch ist, und alle Bewegungen überkreuzt und koordiniert, also alles zusammen kommt, wird das Gehirn stark gefordert, obwohl das Stricken selber als einfach empfunden wird. Natürlich muss man es erst lernen, aber danach laufen die Bewegungen fast unbewusst ab.

Das Gehirn wird so beansprucht, dass es sich nicht mehr mit Kummer und Sorgen beschäftigen kann.

Die Areale des Gehirns, die beim Stricken stimuliert werden sind:

  1. Frontal-Lappen: Aufgaben, Schmerzempfinden und Planung

  2. Parietal-Lappen: Sinneseindrücke und Verknüpfung

  3. Occipital-Lappen: Erinnerungs-Speicher

  4. Kleinhirn: Koordination von Durchführung und Timing der Bewegungen

Dieses zusammen führt zur Stimulation der Nervenzellen und lässt ihre Funktion geschmeidig.

Nervenzellen mit ihren vielfältigen Aufgaben, siehe oben, sind auch die Grundlage unserer Gedanken.

Beim Älterwerden stimulieren wir immer mehr unsere Neuronen, aber nur, wenn wir sie eben auch benutzen. Sie lernen und bleiben fit.

Das macht auch die Bedeutung solcher Aktivitäten wie Stricken, aber auch Tanzen für die Therapie zerebraler Erkrankungen wie Demenz deutlich.

Stricken ist also nicht nur Entspannung, es ist ein Work-Out für das Gehirn.

Eine sinngemäße Übersetzung aus dem Hörbuch von Loretta Napoleoni: The Power of Knitting ISBN: 9780593087190 (The Power of Knitting: Stitching Together Our Lives in a Fractured World Loretta Napoleoni)

Ein schönes Muster findest du hier: Brain Hat: Adapted from Kathy Doherty, https://www.ravelry.com/patterns/library/thinking-cap; adapted by Grazia Baravelli and Cristina Longati

Das Bild zeigt ein ebensolches Muster und stammt aus Etsy.com

Zu den Grundlagen der Psychologie empfehlen wir dir dieses Crashkurs Thema Heilpraktikerwissen

Und hier das Thema Neurologie – Anatomie und Physiologie aus dem Grundkurs für Heilpraktiker

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